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Ri’in am AG Tiergarten B. Müller,

– der Versuch eines Nachrufs.

Diese Woche habe ich erfahren, dass Frau Müller, Richterin am Amtsgericht Tiergarten, leider verstorben ist.

Ich glaube, jeder Berliner Strafverteidiger kann zahlreiche Anekdoten über Frau Müller berichten. Sie war z. B. dafür bekannt, dass sie niemanden die Hand reichte. Gefürchtet war sie gleichermaßen bei der Staatsanwaltschaft und den Verteidigern. Der Hintergrund war, dass man nie wusste, was hinten raus kommt und welche Wendung das Verfahren nimmt.

Wo man sich aber sicher sein konnte, war, dass Frau Müller nicht voreingenommen gegenüber einem Angeklagten sein würde. Ob Reich oder Arm, ob Beamter oder Arbeitsloser, ob Deutsch oder Ausländer, geduldig wartete Frau Müller das Ergebnis der Beweisaufnahme ab, bevor Sie sich abschließend eine Meinung bildete.

Man konnte sich auch sicher sein, dass Entlastungs- und Belastungszeugen gleichermaßen in die Mangel genommen werden. Was Frau Müller in einer Zeugenvernehmung nicht verstanden hat, wurde hartnäckig hinterfragt.

Wenn am Ende der Beweisaufnahme Zweifel bestanden, wurde der Angeklagte auch nach vielen Verhandlungstagen freigesprochen. Es gibt wenige Richter, mit denen man sich so schön als Verteidiger streiten konnte, mit der Gewissheit, dass es einem nicht nachgetragen wird.

Ich werde die Verhandlungen bei Frau Müller in der Zukunft vermissen.

Rechtsanwalt Steffen Dietrich, Berlin

www.rechtsanwaltskanzlei-verteidiger.de

Traue niemanden

besonders nicht der Staatsanwaltschaft.

In einem Verfahren vor dem Landgericht Berlin hatten sich die Prozessbeteiligten, sprich die Staatsanwaltschaft Berlin, das Gericht und ich uns geeinigt, dass mein Mandant im Falle eines Geständnisses eine Bewährung erhalten sollte. Nach dem Geständnis erfolgte die Bewährung und so dachte ich, der Fall hat sich erledigt.

Heute treffe ich eine Richterin der Kammer, die mir mitteilte, dass die Staatsanwaltschaft Berlin Revision eingelegt hat.

Zum Glück hatte ich darauf bestanden, dass die Absprache (Deal) ins Protokoll mit aufgenommen wurde.

Ich finde, so etwas sollte verboten werden!

Rechtsanwalt Steffen Dietrich, Berlin

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