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Wein verschütten darfst du nicht, sonst kommst du vor das Amtsgericht.

Vor dem Amtsgericht werden ja hin und wieder Fälle verhandelt, die einem die Tränen in die Augen treiben. Manchmal weiß man allerdings nicht so recht, ob man über den angeklagten Sachverhalt aus Freude oder aus Trauer weinen soll.

In der vergangenen Woche konnte man eine solche Situation auch vor dem Amtsgericht Tiergarten miterleben. Der Anklagevorwurf: Versuchte Sachbeschädigung. Der Angeklagte soll bei einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung den Wein aus seinem Glas in Richtung des Podiums geschüttet haben, um seinen Unmut über die Redner und deren Meinungen auszudrücken. Getroffen wurde niemand. Auch konnte der Wein vom Boden vollständig entfernt werden. Ein Schaden entstand nicht.

Dennoch warf die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten nun vor, versucht zu haben, rechtswidrig eine fremde Sache zu beschädigen, §§ 303 Abs. 1, Abs. 3, 22, 23 Abs. 1 StGB. In der Hauptverhandlung wussten die Beteiligten dann nicht so wirklich, auf welchen Gegenstand sich der Anklagevorwurf tatsächlich beziehen sollte. Auf die Kleidung der Redner, die wohl mit dem Wein getroffen werden sollte? Oder doch auf das Parkett, das sich hätte verfärben können? Nachdem man sich so halbwegs auf das Parkett als Tatobjekt geeinigt hatte, stellte der Verteidiger einige originelle Anträge, die u.a. dem Beweis dienen sollten, dass durch Wein Sachen nicht hinreichend beschädigt werden können i.S.d. § 303 Abs. 1 StGB. Nachdem diese Beweisanträge aber abgelehnt worden waren, gab der Richter den rechtlichen Hinweis (§ 265 StPO), dass hier auch eine Strafbarkeit gem. § 303 Abs. 2 StGB in Betracht kommt, wonach es für eine Sachbeschädigung ausreicht, dass das Erscheinungsbild der fremden Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert wird – hier natürlich alles nur versucht!

Man merkt, wie absurd dieser Fall ist. Dass so etwas vor das Strafgericht getragen und dort auch noch lang und breit verhandelt wird, war sicherlich auch nicht im Sinne des Gesetzgebers. Tatsächlich enthält § 303c StGB daher ein Strafantragserfordernis für Fälle der Sachbeschädigung. Ein Strafantrag wurde hier gar nicht gestellt. Wie also kommt dann der Fall vor Gericht? Antwort: Die Staatsanwaltschaft hat das besondere öffentliche Interesse an der Strafverfolgung bejaht.

Letztendlich kam es sogar zu einer Verurteilung (geringe Geldstrafe). Der ganze Aufwand in diesem Verfahren lässt nur einen Schluss zu: Der Wein muss wirklich gut gewesen sein.

Polizei verkostet 170.000 € Wein zu Ermittlungszwecken

Der Konstanzer Tatort vom 8. Februar 2015 mit dem klangvollen Namen „Château Mort“ ist wahrlich ein besonderer Genuss. Ein Tatort mit Tiefgang in mehrerlei Hinsicht. Einerseits führt er die Kommissare Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) tief in die Geschichte Badens zurück, ins revolutionäre Jahr 1848. Andererseits zwingt der Tatort den Kollegen Perlmann bei seinen Ermittlungen tief in alte Kellergemäuer hinabzusteigen. Und darüber hinaus erlangt der Zuschauer einen tiefen Einblick in die fabelhafte Welt vermeintlich guter Weine.

Am Ufer des Bodensees wird eine Wasserleiche gefunden – mit einer sehr alten Flasche Wein im Gepäck, Jahrgang 1832. In dem Wohnwagen des toten jungen Mannes finden die Kommissare Literatur von und über Annette von Droste-Hülshoff. Fast zu derselben Zeit wird in einem Schweizer Auktionshaus eine Flasche des wertvollen Droste-Hochzeitsweins für 180.000 CHF versteigert. Die Flasche stammt aus dem Besitz des „Weinpapstes“ Hans Lichius (Felix von Manteuffel). Von diesem wollen die deutschen Kommissare die bei der Leiche gefundene Flasche untersuchen lassen.

In dem Auktionshaus treffen die Kommissare auf den Schweizer Polizei-Major Matteo Lüthi (Roland Koch), den seine Ermittlungen ebenfalls zu dem Droste-Wein führen. Nur untersucht er keinen Mord, sondern mögliche Steuerdelikte. Schnell werden sich die Polizisten über eine Zusammenarbeit einig, da die Fälle zusammenzuhängen scheinen. Glücklicherweise gibt es dafür sogar eine rechtliche Grundlage, nämlich den Vertrag zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland über die grenzüberschreitende polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit. Doch ebenso lang wie der Titel dieses Abkommens erscheint den Ermittlern auch der ordentliche Dienstweg. Da kommt es sehr gelegen, dass der Schweizerische Oberstaatsanwalt, der selbst regelmäßig im Auktionshaus verkehrt, diskrete Ermittlungen wünscht. Und das geht eben am besten ganz unbürokratisch auf dem kleinen Dienstweg.

So lässt Kollege Lüthi zufällig eine Liste von Weinkäufern im Büro von Kommissarin Blum herumliegen, auf der auch ein gewisser Clemens Koch (Uwe Bohm), der Arbeitgeber des getöteten Mannes, steht. Koch hatte diesen beauftragt, Nachforschungen über den Hochzeitswein der Droste-Hülshoff anzustellen. Denn das Gerücht ging umher, der bereits im Umlauf befindliche und von Lichius zertifizierte Wein sei nicht echt. Zugleich bedrohten immer neue auf den Markt strömende Flaschen des teuren Weins die Geldanlage Kochs, in die er sein Schwarzgeld investiert hatte.

Doch selbst als Koch die bittere Wahrheit um seine Geldanlage erkannt hatte, wollte der junge Forscher nicht mit der Recherche aufhören. Er studierte alte Briefe und Karten und fand so schließlich den Ort, an dem im Jahre 1848 der echte Hochzeitswein der Droste-Hülshoff abgestellt wurde – natürlich steht nun an dieser Stelle ein Parkhaus. Aus dessen Keller holte er einige Flaschen des echten Weins ans Tageslicht, bis ihn die Chefin des Aktionshauses deswegen ironischerweise mit einem speziellen Korkenzieher tötete. Der echte Wein hätte ihr lukratives Geschäft mit den vom Weinpapst Lichius gefälschten Droste-Weinen zerstört.

Während Blum und Lüthi diesen Betrug aufklären, löst Kommissar Perlmann noch einen ganz anderen Mordfall. Er folgt nämlich weiter der historischen Spur um Droste-Hülshoff und findet so erst den wahrhaftigen Weinkeller in besagtem Parkhaus. Von seinen Recherchen völlig übermüdet, lässt er sich dort von einem Trittbrettfahrer namens Ignaz „Iggy“ Pop, der auf den Weinverkäuferzug aufgesprungen war, einsperren. Nun sitzt er dort neben dem Skelett eines gewissen Levin, der Droste-Hülshoff wohl einst heiraten sollte, dann aber in den Revolutionstagen von 1848 lebendig eingemauert wurde. Und während Kommissar Perlmann dort unten auf Rettung wartet, genehmigt er sich auf dem kurzen Dienstweg eine Flasche des wertvollen echten Droste-Hochzeitsweins. Als Kollegin Blum ihn endlich findet, ist er sich sicher, den ältesten Mordfall seiner Dienstzeit gelöst zu haben. Dem Gedankenspiel nach wurde Levin angesichts der bevorstehenden Hochzeit mit Droste-Hülshoff von seinem damaligen Geliebten eingemauert. Und sei es auch nur ein Gedankenspiel, es hat nicht weniger Tiefgang als die anderen durch den kostbaren Wein hervorgerufenen Gedankengänge der Beteiligten.

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