Seit nunmehr 35 Jahren erläutert Prof. Ulrich Eisenberg in seinem in der Reihe „Beck’sche Kurz-Kommentare“ erscheinenden einbändigen Kommentar das Jugendgerichtsgesetz. Regelmäßig wie die Schläge eines Ruderers auf dem Rummelsburger See veröffentlicht er eine neue Auflage und hält so Niveau und Aktualität auf einem unbestritten hohen Stand. Soeben ist die 19. Auflage erschienen.

Die bewährte Grundkonzeption ist natürlich erhalten geblieben: eine sehr gute Einleitung zur Einführung in das Jugendstrafrecht, eine gute Mischung aus Gesetzesdogmatik und sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen, eine hinreichend ausführliche Auseinandersetzung auch mit von der sog. herrschenden Meinung abweichenden Auffassungen, die Berücksichtigung und Erläuterung auch der etwas unübersichtlichen landesrechtlichen Regelungen zum Jugendstrafvollzug, ein fast 50seitiges Sachverzeichnis sowie eine Auflistung der zitierten Entscheidungen mit Fundstellen. (In letzterem kommen leider die offenen Plattformen etwas zu kurz.)

Ebenso geblieben ist aber auch die stark verdichtete, von Abkürzungen durchzogene Sprache, die aus meiner Sicht doch ein wenig zu viel Vorwissen im (Jugend-)Strafrecht voraussetzt. Dies mag für Jugendrichter, Jugendstaatsanwälte und Verteidiger (also Hauptzielgruppe des Kommentars) kein Problem darstellen, doch sind im Jugendstrafrecht auch zahlreiche Nichtjuristen wie Psychologen, Psychiater und die Mitarbeiter im Jugendstrafvollzug, bei den Jugendämtern und der Jugendgerichts- und Bewährungshilfe tätig, die man durchaus freundlicher abholen könnte – von den vielen Sozialwissenschaftlern, die das Feld aus wissenschaftlicher Perspektive beackern, ganz zu schweigen.

Fazit:

Wer also Wert darauf legt, den Standard-Kommentar zu benutzen und herausragende Aktualität sowie eine hohe Informationsdichte ganzen Sätzen und Wörtern vorzieht, wer rasch über juristische Streitstände informiert werden möchte, sich auch für die Rechtswirklichkeit interessiert und schließlich auf ein inspiriertes Vorwort verzichten kann, wird am Eisenberg auch in der 19. Auflage seine Freude haben.

Eisenberg, Jugendgerichtsgesetz, 19. Auflage Beck, München 2017, 99,00 €