In einem Beitrag für die der Fachzeitschrift JAMA Neurology haben Madeleine Liljegrenin et al. untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen Demenzerkrankungen und bestimmten Kriminalitätsformen gibt.

Ein solcher Zusammenhang liegt nahe, da neurodegenerative Krankheiten zu einer Funktionsstörung neuronaler Strukturen führen können, die das Urteilsvermögen, das Sexuelverhalten, Gewalt und Selbstwahrnehmung steuern. Daher können diese Funktionsstörungen kriminelles Verhalten hervorrufen, das erstmals im Erwachsenenalter auftritt.

Dazu haben sich Liljegrenin et al. die Krankenakten von 2397 Patienten des Memory and Aging Center der University of California, San Francisco zwischen 1999 und 2012 angesehen. Unter den Patienten waren 545 Fälle von Alzheimer (AD), 171 Fälle Frontotemporaler Demenz (bvFTD oder Pick-Krankheit), 89 Fälle von Aphasie (PPA – Primary Progressive Aphasia) sowie 30 Fälle von Chorea Huntington.
Insgesamt wiesen 8,5 % der untersuchten Patienten kriminelles Verhalten während ihrer Krankheit auf. Die Verteilung auf die einzelnen Erkrankungen ist dabei aber nicht gleichmäßig.

Alzheimer: 7,7 %
Frontotemporale Demenz: 37,4 %
Aphasie: 27,0 %
Chorea Huntington: 20 %

Die Formen der Kriminalität unter den Demenzkranken beinhalteten Diebstahl, Verkehrsverstöße, Hausfriedensbruch oder öffentliches Urinieren.

Unter den Alzheimer-Kranken waren Verkehrsverstöße vorherrschend.

Die Autoren schlagen aufgrund der Resultate eine auf die Betroffenen zugeschnittene strafrechtliche Behandlung der Delikte vor. Gleichzeitig sehen sie erstmals auftretendes kriminelles Verhalten im späten Erwachsenenalter als Anzeichen für Frontotemporale Demenz an und raten in diesem Fall zu vertiefenden Untersuchungen.