Arbeitsloser Verteidiger – Vandalismus an Blitzampel

In Berlin gab es jahrelang am Halleschen Ufer eine schöne alte Blitzampel, die Autofahrer beim Rot über die Ampel fahren fotografierte. Die Aufnahmen der Blitzampel waren regelmäßig so schlecht, dass eine Identifizierung des Rotsünders nicht möglich war. Deshalb sah man sich wohl genötigt, die Blitzampel auszutauschen.

Wie man auf dem Foto sieht, sind die Autofahrer über die neue Blitzampel nicht sehr erfreut und haben sie mit Farbe beschmiert. Dies nennt sich wohl präventive Verteidigung im Bußgeldverfahren. Wenn man es mal wieder eilig hat, kann man sich als Autofahrer über den Ausfall der Blitzampel nur freuen. Wenn aber diese Art der Verteidigung die Runde macht, werde ich zukünftig wohl keine Rotlichtverstöße mehr auf den Tisch bekommen.

Rechtsanwalt Steffen Dietrich, Verteidiger aus Berlin

www.bei-rot-über-ampel.de

 

Manchmal erwischt es einen aber auch zurecht

Nachdem ich am 29.11.12 über den Vandalismus an einer Blitzampel geschrieben habe, kann ich heute mitteilen, dass ich mich in meiner Formulierung getäuscht habe. Es handelt sich nicht nur um eine Blitzampel,sondern um ein kombiniertes Meßgerät Geschwindigkeit und Rotlicht. Aufgrund eines eigenen Fehlverhaltnens wurde mir ein Anhörungsschreiben übersandt. Beigefügt das Anhörungsschreiben der Polizei:

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Man muss es positiv sehen, hätte es wegen Rot geblitzt, wäre es teurer geworden. Ich hätte nie gedacht, dass Berlin über so moderne Geräte verfügt. Ich werde dann mal das Verwarnungsgeld zahlen.

Rechtsanwalt Dietrich, Fachanwalt für Strafrecht aus Berlin

www.geblitzt.info

 

Ri’in am AG Tiergarten B. Müller,

– der Versuch eines Nachrufs.

Diese Woche habe ich erfahren, dass Frau Müller, Richterin am Amtsgericht Tiergarten, leider verstorben ist.

Ich glaube, jeder Berliner Strafverteidiger kann zahlreiche Anekdoten über Frau Müller berichten. Sie war z. B. dafür bekannt, dass sie niemanden die Hand reichte. Gefürchtet war sie gleichermaßen bei der Staatsanwaltschaft und den Verteidigern. Der Hintergrund war, dass man nie wusste, was hinten raus kommt und welche Wendung das Verfahren nimmt.

Wo man sich aber sicher sein konnte, war, dass Frau Müller nicht voreingenommen gegenüber einem Angeklagten sein würde. Ob Reich oder Arm, ob Beamter oder Arbeitsloser, ob Deutsch oder Ausländer, geduldig wartete Frau Müller das Ergebnis der Beweisaufnahme ab, bevor Sie sich abschließend eine Meinung bildete.

Man konnte sich auch sicher sein, dass Entlastungs- und Belastungszeugen gleichermaßen in die Mangel genommen werden. Was Frau Müller in einer Zeugenvernehmung nicht verstanden hat, wurde hartnäckig hinterfragt.

Wenn am Ende der Beweisaufnahme Zweifel bestanden, wurde der Angeklagte auch nach vielen Verhandlungstagen freigesprochen. Es gibt wenige Richter, mit denen man sich so schön als Verteidiger streiten konnte, mit der Gewissheit, dass es einem nicht nachgetragen wird.

Ich werde die Verhandlungen bei Frau Müller in der Zukunft vermissen.

Rechtsanwalt Steffen Dietrich, Berlin

www.rechtsanwaltskanzlei-verteidiger.de

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