• Schlagwörter Archive: Landgericht Berlin

Ist das Rassismus?

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Diese Woche hatte ich eine Verhandlung vor dem Landgericht Berlin. Gegenstand der Verhandlung war ein Diebstahl in einem Berliner Baumarkt. Auf die Frage des Gerichts, warum denn die Polizei gerufen wurde, meinte der Ladendetektiv, dass es eine Anweisung der Geschäftsleitung geben würde, dass bei ausländischen Beschuldigten trotz festem Wohnsitz in Berlin die Polizei zu rufen sei. Das Gericht war ein wenig überrascht über diese Antwort.

Ist die Anweisung der Geschäftsleitung nun Rassismus?

Rechtsanwalt Steffen Dietrich, Berlin

Keine Grenzwerte bei Kokainkonsum, bei deren Überschreitung die absolute Fahruntüchtigkeit begründet werden kann

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Strafbar nach § 316 StGB macht sich, wer im Verkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge des Genusses von alkoholischer Getränke oder anderen berauschenden Mitteln nicht in der Lage dazu ist.

In seiner Entscheidung im Verfahren (524) 11 Ju Js 1853/10 (36/11), 524 – 36/11 stellte das Landgericht Berlin fest, dass die Überschreitung der festgelegten Grenzwerte von 10 ng/ml Kokain, im Gegensatz zu dem bei Alkoholkonsum festgelegten Grenzwert von 1,1 ‰, nicht zur Annahme einer absoluten Fahruntüchtigkeit gem. § 316 StGB führt. Die beschriebene Mindestmenge stellt lediglich ein sicheres Indiz für Kokainkonsum dar.

Zwar erkennt das Landgericht Berlin einen Widerspruch darin, dass der Erwerb von Drogen strafrechtlich sanktioniert wird, während es ungestraft bleibt sich unter Drogeneinfluss ans Steuer zu setzen. Es führt jedoch aus, dass dieser Widerspruch nicht durch die Aufstellung irgendwelcher Grenzwerte von Gerichten selbst, sondern nur vom Gesetzgeber gelöst werden kann.

So konnte die Angeklagte, bei der trotz 14 ng/ml Kokain keinerlei Auffälligkeiten in ihrem Fahrverhalten festgestellt werden konnten, lediglich zu einer Geldstrafe von 500,-€ wegen einer fahrlässigen Verkehrsordnungswidrigkeit verurteilt werden.

Rechtsanwalt Steffen Dietrich, Berlin

Torben P. muss ins Gefängnis

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Das Landgericht Berlin hat laut Bericht des Focus am 19.09.11 Torben P. zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und 10 Monaten wegen versuchten Totschlags verurteilt.

Torben P. hatte am Karsamstag auf einem Berliner U-Bahnhof einen Geschädigten auf den Kopf getreten. Der Fall wurde öffentlich z. T. nicht mehr sachlich diskutiert, weil Torben P. in Anwendung der strafprozessualen Vorschriften vom Ermittlungsrichter haftverschont worden ist.

Das Berliner Landgericht ist in seinem Urteil von einem versuchten Totschlag ausgegangen. Nach Auffassung des Landgerichts hätte der Geschädigte an den Tritten und der daraus resultierenden Ohnmacht sterben können.

Die Verteidigung hatte eine Bewährungsstrafe beantragt.

Eine Freiheits- oder Jugendstrafe bis zu 2 Jahren kann gem. § 56 Abs. 2 StGB oder § 21 Abs. 2 JGG zur Bewährung ausgesetzt werden. Bei einer Strafe von mehr als 2 Jahren scheidet eine Bewährung aus.

Rechtsanwalt Steffen Dietrich, Berlin

www.rechtsanwalt-haftbefehl.de/

Eidesstattliche Versicherung des Verteidigers

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und andere Hürden im Wiedereinsetzungsverfahren.

In einem eigenen Verfahren vor dem Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin hat das Landesverfassungsgericht zum Aktenzeichen 78/08; 108/08 sehr anschaulich zu den Voraussetzungen eines Wiedereinsetzungsverfahrens Stellung genommen. Dem Verfahren lag ein Strafbefehlsverfahren zu Grunde, in welchem aufgrund eines Verschuldens einer Kölner Kanzlei die rechtzeitige Einlegung eines Einspruchs übersehen worden ist.

Das Amtsgericht Tiergarten und das Landgericht Berlin hatten meinen Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand abgelehnt.

Deshalb habe ich Verfassungsbeschwerde zum Berliner Verfassungsgericht erhoben.

Der Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin stellte fest, dass die Ablehnung rechtswidrig war.

Der Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin ging in seiner Entscheidung insbesondere auf folgende Fragen ein:

1) Muss im Wiedereinsetzungsverfahren mitgeteilt werden, wann der Betroffene Kenntnis vom Wegfall des Hindernisses bzw. Kenntnis vom Fristversäumnis erlangt hat?

2) Muss ein Verteidiger zum Zwecke Glaubhaftmachung eigenen Sachvortrag anwaltlich bzw. eidesstattlich versichern?

zu 1)
Der Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin kommt zu dem Ergebnis, dass grundsätzlich vom Beschuldigten mitgeteilt werden muss, wann er Kenntnis vom Wegfall des Hindernisses erlangt hat. Dies gilt aber nicht, wenn sich bereits aus den Akten entnehmen lässt, wann der Beschuldigte Kenntnis erlangt hat. Im vorliegenden Verfahren konnte der Ermittlungsakte entnommen werden, wann unser Mandant Kenntnis erlangt hat. Deshalb war die ausdrückliche Mitteilung entbehrlich. Dies wurde durch das Landgericht Berlin übersehen.

zu 2)
Zunächst weist der Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin das Landgericht Berlin darauf hin, dass die schriftlichen oder mündlichen Erklärungen eines Verteidigers zum Zwecke der Glaubhaftmachung ausreichend sind. Eine zusätzliche anwaltliche Versicherung sei nicht erforderlich. Wenn das Gericht Zweifel am Wahrheitsgehalt einer anwaltlichen Erklärung hat, muss es den Rechtsanwalt ausdrücklich darauf hinweisen und dem Verteidiger Gelegenheit zur Ergänzung geben.

Auch dies wurde durch das Landgericht Berlin übersehen.

Deshalb hat der Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin den Beschluss des Landgerichts Berlin aufgehoben und die Sache zurückverwiesen. Zur Erleichterung meines Mandanten wurde ihm nun auch durch das Landgericht Berlin Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand gewährt.

Rechtsanwalt Steffen Dietrich, Berlin
www.pflichtverteidiger-notwendige-verteidigung.de

Traue niemanden

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besonders nicht der Staatsanwaltschaft.

In einem Verfahren vor dem Landgericht Berlin hatten sich die Prozessbeteiligten, sprich die Staatsanwaltschaft Berlin, das Gericht und ich uns geeinigt, dass mein Mandant im Falle eines Geständnisses eine Bewährung erhalten sollte. Nach dem Geständnis erfolgte die Bewährung und so dachte ich, der Fall hat sich erledigt.

Heute treffe ich eine Richterin der Kammer, die mir mitteilte, dass die Staatsanwaltschaft Berlin Revision eingelegt hat.

Zum Glück hatte ich darauf bestanden, dass die Absprache (Deal) ins Protokoll mit aufgenommen wurde.

Ich finde, so etwas sollte verboten werden!

Rechtsanwalt Steffen Dietrich, Berlin

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