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Ampelfarbenspiele im Herbst

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Ein Herbst-Klassiker zum bevorstehenden Wochenende – man ist mit dem Auto samt Familie ins schöne Berliner Umland unterwegs, die Lichtverhältnisse sind eher bescheiden und die Straßen nicht nur vereinzelt mit feuchtem Laub bedeckt. Häufig wird der Verkehr auf den langgezogenen Ausfallstraßen in regelmäßigen Abständen durch Ampeln reguliert, wobei die zulässige Höchstgeschwindigkeit durchaus auf 70-80 km/h steigen kann je näher man der Berliner Landesgrenze kommt.

Man nähert man sich also typischerweise einer solchen Lichtzeichenanlage, die im Idealfall sogar noch auf Grün geschaltet ist und hofft inständig, diese möge nicht im nächsten Moment auf Gelb bzw. Rot umspringen bevor man die Kreuzung überquert hat.

Zumeist passiert das natürlich nicht. In undankbarem Abstand zur Ampel springt diese um : )

Die Geschwindigkeit in Verbindung mit dem schmierigen Untergrund lässt einen damit in der Regel zwei Optionen gedanklich durchspielen. Leite ich eine recht kräftige Bremsung ein, woraufhin es allerdings die Familie, gerade im Fond des Fahrzeugs, sehr unliebsam in die Gurte drücken wird, und man nur hoffen kann, nicht in den Kreuzungsbereich hineinzurutschen, oder trete ich auf gut Glück noch mal kräftig das Gaspedal durch, und hoffe die Ampel noch schnell zu durchfahren, bevor diese Rot zeigt.

Erfahrungsgemäß scheint die Wahl bei den meisten Fahrzeugführern auf die zweite Option zu fallen, trotz der entsprechenden verkehrsrechtlichen Konsequenzen die das Unterfangen haben kann, falls das schief geht. Diesbezüglich interessant sind insbesondere im oben geschilderten Szenario die tatsächlichen Anforderungen an die Dauer einer Gelbphase. Diese richten sich nämlich nach der üblichen zulässigen Höchstgeschwindigkeit.

Um bei Aufleuchten des Gelblichts noch rechtzeitig vor der Ampel zum Stehen zu kommen oder die Kreuzung gegebenenfalls noch passieren zu können, muss die Gelbphase zwischen dem Ende von Grün bis zum Beginn von Rot bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h innerorts mindestens 3 Sekunden betragen. Bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h muss die Gelbphase 4 Sekunden dauern, bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h müssen zwischen Grün und Rot 5 Sekunden liegen.

So ist die Einhaltung der Mindestdauer einer Ampelschaltung gerade für Fahrzeugführer von Bussen und Lastkraftwagen (LKW), aber eben auch mit Kind und Kegel gut beladenen Personenkraftwagen (PKW), unerlässlich, da diese ansonsten mit einer derart hohen Bremsverzögerung gebremst werden müssten, dass Insassen gefährdet würden, Anhänger ins Schleudern kämen oder Ladegut verrutschen könnte.

Im Fall eines Rotlichtverstoßes können mandatierte Rechtsanwälte daher die Dauer der Gelbphase überprüfen lassen, in dem beispielsweise Einsicht in den Ampelphasenplan oder die Erstellung eines Sachverständigengutachtens beantragt wird.

Und auch auf den Einwand hin, dass in der praktischen Wirklichkeit die meisten Kreuzungen mit Lichtzeichenanlagen keinen stationären Rotlichtblitzer aufbieten, so sollte man nicht vergessen, dass auch beobachtende Polizeibeamte einen Rotlichtverstoß zur Anzeige bringen können. Ganz zu schweigen von der Unfallgefahr, sollte man beim Überfahren einer roten Ampel die Kreuzung nicht mehr rechtzeitig räumen können.

Weitere Fallaspekte hinsichtlich des Überfahrens einer roten Ampel finden sich hier.

Auch in der JVA geht mal was verloren

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Ein Mandant von mir, welcher gegenwärtig in der JVA einsitzt, hatte beantragt, dass er zum 2/3 Zeitpunkt entlassen werden soll. Die Vollstreckungskammer hatte deshalb in der JVA angefragt, ob eine Entlassung befürwortet wird und um Stellungnahme gebeten.

Die Antwort der JVA lautet:

Unter Bezugnahme auf das o.a. Schreiben teilen wir Ihnen mit, dass die Gefangenpersonalakte bzgl. des Inhaftierten derzeit nicht auffindbar ist, insoweit ist es uns nicht möglich, eine dezidierte Stellungnahme abzugeben.

In unserem Haus läuft diesbezüglich ein Suchumlauf. Bei Auffinden der Personalakte werden wir unverzüglich berichten.

Ich kann ja nur hoffen, dass die Akte nicht dauerhaft verschwunden ist.

Rechtsanwalt Dietrich, Berlin

www.urkundenfälschung.com

Löwenmutter kämpft und ihren Pflichtverteidiger

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Manchmal hat man wirklich das Gefühl, dass Richtern das Gefühl von Rechtsstaatlichkeit vollständig abhanden gekommen ist.

Gestern Vormittag wurde ich von der Mutter eines Mandanten angerufen. Sie teilte mir mit, dass ihr Sohn verhaftet worden sei und mich sehen will. Nach ein paar Telefonaten hatte ich herausgefunden, dass mein Mandant zu einer Hauptverhandlung nicht erschienen und deshalb ein sogenannter 230 Haftbefehl erlassen worden ist. Also dachte ich mir, dass ich meinen Mandanten doch gleich mal in den Vorführzellen vor der Verkündung des Haftbefehls aufsuchen könnte. Wie üblich, wollte die zuständige Wachtmeisterin die Bestätigung des Richters haben, dass ich meinen Mandanten besuchen gehen kann.

Unmittelbar nach telefonischer Kontaktaufnahme teilte der Richter mir ungefragt mit, dass mein Mandant bereits einen Pflichtverteidiger habe und ich auf gar keinen Fall beigeordnet werden würde. Hierauf teilte ich mit, dass die Pflichtverteidigung nicht mein Anliegen sei, ich einfach nur meinen Mandanten vor Verkündung des Haftbefehls aufsuchen möchte. Hier wurde ich dann angeschriehen, dass dies nicht möglich sei, weil mein Mandant bereits einen Pflichtverteidiger habe und ich nicht mandatiert sei. Ich dachte mir kurz, dass ich den Richter wegen Befangenheit ablehnen sollte. Um die Situation nicht vollständig eskalieren zu lassen, meinte ich nur, dass ich mir aus meinem Büro eine Vollmacht schicken lassen und dann meinen Mandanten aufsuchen würde. Da hörte ich nur noch das Piepen in der Leitung.

Gesagt getan, mit der Vollmacht konnte ich dann meinen Mandanten besuchen.

Nach dem Gespräch mit meinem Mandanten ging ich beim Richter vorbei und nach mehreren erneuten Anschreiattacken wurde mir dann auch – nach Hinweis auf die höchstrichterliche Rechtsprechung – die Ermittlungsakte ausgehändigt. In dieser konnte ich feststellen, dass der Pflichtverteidiger nach “pflichtgemäßen Ermessen” vom Gericht ausgesucht worden ist. Leider haben die meisten deutschen Strafrichter in diesem Bereich kein Gespür für ein rechtsstaatliches Verfahren. Sie halten sich Rechtsanwälte als verlängerten Ermittlungsarm. Solange sich jeder Richter seinen eigenen Rechtsanwalt aussuchen kann, werden die Rechte von Beschuldigten mit Füßen getreten.

Rechtsanwalt Steffen Dietrich, Berlin

www.pflichtverteidiger-notwendige-Verteidigung.de

Wenn Unannehmlichkeiten drohen …

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Heute erhielt ich einen lieben Brief vom Amtsgericht Tiegarten in welchem mir Akteneinsicht genehmigt wurde. Weiterhin heißt es:

Sollte sich die Abholung verzögern, wird um telefonische Nachfrage vor Abholung gebeten, um Unannehmlichkeiten zu vermeiden.

Ich bin jetzt fast ein wenig auf die Unannehmlichkeiten gespannt und werde wohl ohne Ankündigung ein wenig später auf der Geschäftsstelle erscheinen.

Rechtsanwalt Dietrich, Berlin

Arbeitsüberlastung

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Ein Mandant hatte das Pech, in die Fänge des beschleunigten Verfahrens zu geraten. Das hierfür zuständige Gericht befindet sich ein wenig außerhalb meiner täglichen Gänge. Deshalb schrieb ich ans Gericht, dass ich aufgrund von Arbeitsüberlastung bitte, mir die Verfahrensakte zu übersenden. Die schriftliche Antwort des Gerichts hierauf war:

Auch wir haben hier Arbeitsüberlastung. Akte bitte abholen.

Na was soll´s.

Rechtsanwalt Steffen Dietrich, Berlin

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